Zum Inhalt springen

Ferrari 575 Maranello

  • Daytona Sitze
  • 60.000 km
  • heisse Farbkombination silber / rot

Kaufanfrage

109.000,00

Description
Specs
Fotos
Comments

Der letzte große Reisende aus Maranello

Zwölf Zylinder, 515 PS und eine Motorhaube, die gefühlt bereits am Ziel ankommt, während der Fahrer noch losfährt: Der Ferrari 575M Maranello stammt aus einer Zeit, in der ein Gran Turismo vor allem schnell, elegant und vollkommen unvernünftig sein durfte.

Es gab einmal eine Zeit, in der Ferrari seine Autos nicht mit Elektromotoren, Touchscreens und einer Bedienungsanleitung ausstattete, die dicker war als das Telefonbuch von Rom. Man nahm einen großen V12, setzte ihn vorne unter eine möglichst lange Motorhaube und platzierte dahinter zwei Menschen. Das Ergebnis war kein Rennwagen mit Kennzeichen, sondern ein Automobil, mit dem man morgens in Wien starten und rechtzeitig zum Abendessen in Maranello eintreffen konnte.

Der Ferrari 575M Maranello war einer der letzten Vertreter dieser Philosophie. Das „M“ steht für „Modificata“, was auf Italienisch wesentlich aufregender klingt als „überarbeitet“. Tatsächlich war der 575M jedoch weit mehr als eine leicht veränderte Version seines Vorgängers. Sein Zwölfzylinder wuchs auf 5.748 cm³ und leistete 379 kW beziehungsweise 515 PS. Das war 2003 eine gewaltige Zahl – und sie ist auch heute nicht gerade das automobile Gegenstück zu Kamillentee.

Das hier angebotene Exemplar wurde ursprünglich nach Italien ausgeliefert und verbrachte den vorliegenden Angaben zufolge anschließend rund 14 Jahre in einer österreichischen Sammlung. Außen trägt es Silber, innen rotes Leder. Eine Kombination, die bemerkenswert gut zum Charakter des 575M passt: außen zurückhaltend und beinahe seriös, innen so italienisch, als hätte jemand eine Oper in Leder ausgeschlagen.

Silber ist bei einem Ferrari eine interessante Wahl. Rot verkündet schon aus dreihundert Metern Entfernung, dass sein Besitzer einen Ferrari fährt. Silber überlässt diese Erkenntnis dem Betrachter. Es betont die lange Haube, den weit zurückversetzten Innenraum und jene klassischen Gran-Turismo-Proportionen, die ohne Spoiler, riesige Lufteinlässe oder andere aerodynamische Haushaltsgeräte auskommen.

Der eigentliche Höhepunkt wartet jedoch im Innenraum. Dort befinden sich die seltenen Daytona-Sitze. Ihre charakteristische, horizontal gegliederte Lederstruktur erinnert an die großen Ferrari-Modelle der 1960er- und 1970er-Jahre. Vermutlich war diese Sonderausstattung schon beim Neuwagen erstaunlich teuer. Heute spielt das keine Rolle mehr, denn die Sitze verwandeln das Cockpit von einem luxuriösen Innenraum in einen Ort, an dem man sofort nach Südfrankreich fahren möchte.

Der Wagen ist als Linkslenker ausgeführt und verfügt laut Fahrzeugdatensatz über ein Automatikgetriebe. Das passt zum Konzept. Der 575M wurde nicht gebaut, um seinem Fahrer auf jeder Fahrt zu beweisen, wie anstrengend Motorsport sein kann. Er sollte große Distanzen mit hoher Geschwindigkeit bewältigen und dabei den Eindruck vermitteln, dass dies alles vollkommen mühelos geschieht.

Drückt man das Gaspedal, übernimmt normalerweise der 5,7-Liter-V12 die Unterhaltung. Keine Turbolader, keine elektrische Unterstützung und kein künstlicher Klang aus Lautsprechern. Stattdessen zwölf echte Zylinder und genügend Leistung, um die Landschaft hinter den Seitenfenstern in eine undeutliche Farbfläche zu verwandeln.

Bei diesem Ferrari ist allerdings zunächst Zurückhaltung gefragt. Nach den vorliegenden Angaben wurde das Fahrzeug zuletzt vor rund drei Jahren gestartet. Eine neue Batterie und ein Service sind erforderlich. Der 575M wird deshalb ausdrücklich als nicht fahrbereit beziehungsweise nicht unmittelbar straßenfertig angeboten.

Einfach eine neue Batterie einzubauen und anschließend mit Vollgas in Richtung Adria aufzubrechen, wäre folglich keine besonders gute Idee. Ein zwölfzylindriger Ferrari ist nach mehreren Jahren Standzeit kein Toaster, den man wieder einsteckt und benutzt. Vor der erneuten Inbetriebnahme sollte das Fahrzeug von einem Fachbetrieb umfassend technisch überprüft werden.

Auch ein belastbarer aktueller Kilometerstand liegt nicht vor. Die im Datensatz aufgeführte Angabe von 0 km ist ausdrücklich nicht als tatsächliche Laufleistung zu verstehen. Der Wagen hat das Ferrari-Werk im Jahr 2003 schließlich nicht verlassen, um sich unmittelbar danach 23 Jahre lang neben einen Luftentfeuchter zu stellen.

Zum Fahrzeug gehören italienische Fahrzeugpapiere sowie eine vorhandene und geprüfte Servicehistorie und Rechnungen. Als letzter Service wird ein Zeitpunkt um das Jahr 2021 genannt. Ein separates Gutachten liegt nicht vor. Die Unterlagen ermöglichen eine Einordnung seiner Geschichte, ersetzen angesichts der längeren Standzeit jedoch nicht die erforderliche technische Untersuchung.

Damit ist dieser 575M kein Ferrari für jemanden, der heute kauft und morgen über die Alpen fahren möchte. Er ist ein Projekt für einen Käufer, der versteht, dass große Maschinen nach langer Ruhe zunächst Aufmerksamkeit benötigen. Dafür erhält er einen der elegantesten Ferrari-Gran-Turismo seiner Generation – mit italienischer Herkunft, langjähriger Sammlungszugehörigkeit und einer ausgesprochen reizvollen Ausstattung.

Vor allem aber stammt dieser Ferrari aus einer untergegangenen Epoche. Heute müssen schnelle Autos gleichzeitig sparsam, digital, vernetzt und gesellschaftlich halbwegs erklärbar sein. Der 575M musste nichts davon. Seine Existenz wurde allein mit einer langen Motorhaube, zwei Sitzen und einem 515 PS starken V12 begründet.

Im Augenblick ist dieser silberne Maranello noch eine sehr elegante Skulptur mit rotem Leder und seltenen Daytona-Sitzen. Doch nach einer fachgerechten Überprüfung und Wiederinbetriebnahme könnte er wieder genau das werden, wofür er gebaut wurde: eine der stilvollsten Möglichkeiten, sehr schnell sehr weit zu fahren.

Baujahr

2003

Marke

Ferrari

Modell

575 Maranello

Kilometerstand

60000

Talk about it